OSMDE001 Der Lizenzwechsel

In der zweiten Ausgabe unseres Podcasts, die auch noch den Räumen der Geofabrik entspringt und  auf dem Hack-Weekend in Karlsruhe aufgenommen wurde, haben wir uns Frederik Ramm zu einem Interview über Grund und Ablauf des Lizenzwechsels bei OSM eingeladen. Frederik ist Gründer der Geofabrik und ein Kenner der OpenStreetMap-Szene. Er gibt einen Einblick in die Geschichte und den aktuellen Stand des Lizenzwechsel-Prozesses.

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Podcastteam

Das Podcastteam Andi, Marc und Michael wünscht viel Spaß beim Hören.


Kategorie: Podcast

  1. jdde

    vielen dank für diesen podcast. hätte mich sonst nie damit beschäftigt 😉

    ist mir ne flattr subscription wert

  2. Shernott

    Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Jetzt verstehe ich die Nachteile und Probleme mit CCBYSA, in Bezug auf die ODbL habe ich allerdings immer noch ein paar Zweifel und Fragen.

    Schon Frederiks erstes Beispiel mit dem T-Shirt, das mit einer ergänzten OSM Karte bedruckt werden soll, ist mir nicht ganz einleuchtend. Nehmen wir an, ich möchte ein paar allzu grob eingegebene Straßen und Wege mit weiteren Stützpunkten versehen, damit deren Kurven sanfter und weniger kantig verlaufen. Wenn ich die Verbesserung an den OSM-Daten mit dem JOSM Editor vornehme, dann muss ich die verbesserten Daten also veröffentlichen? Und wenn ich die Verbesserungen dagegen über den Adobe Illustrator einführe, dann gelten sie als künstlerische Arbeit und gehören mir?

    Denn wenn ich das richtig verstehe, schützt die ODbL nur die OSM Datenbank und das nur in dem Fall, dass ich eine neue Datenbank erstelle, in der ich Daten von OSM mit weiteren Daten (von mir selbst oder aus anderen Quellen) verknüpfe. Solange die ich Daten direkt verknüpfe, um daraus z.B. eine Karte oder Routinginformationen abzuleiten, ohne den Zwischenschritt über die Erstellung einer weiteren, verknüpften Datenbank zu gehen, kann ich mit den Daten dann wohl machen was ich will? Aus diese Weise funktioniert dann zwar das zweite Beispiel von Frederik, in dem eine OSM-Karte mit limitiert verfügbaren Daten aus dem öffentlichen Nahverkehr überlagert werden soll, aber damit können dann auch Google, bzw. Microsoft nach Belieben ihre (oft veralteten) eigenen Daten mit aktuellen OSM-Daten ergänzen und aufwerten und daraus eigene, kommerzielle Produkte herstellen, solange die verschiedenen Datenbanken getrennt bleiben und die Verknüpfung nur im Hauptspeicher, bzw. Endprodukt stattfindet, das natürlich selbst keine Datenbank sein darf.

    So wäre es dann wohl ok, eine gedruckte Karte zu verkaufen, in der OSM Daten mit Höhenlinien aus einem kommerziellen und geschützten DEM aufgewertet werden. Schwieriger wäre der Fall, wenn es sich statt der gedruckten Karte um eine GPS-Vektorkarte handeln würde, bei der es sich ja auch um eine Art Datenbank handelt. Aber wenn man dort die OSM-Daten und die Höhenlinien in zwei verschiedene Layer, bzw. Datenbanken steckt, dürfte man damit wohl auch durchkommen.

    Oder Microsoft könnte regelmässig den eigenen Datenbestand mit den OSM-Daten abgleichen und daraus zwei Datenbanken erstellen, die sich gegenseitig ergänzen, eine mit eigenen Daten für die Stellen, wo die eigenen Daten genauer und vollständiger sind und eine mit OSM-Daten, wo es umgekehrt ist. Die Datenbank mit den OSM-Daten müssten sie dann veröffentlichen, aber die eigenen Daten können sie nach wie vor für sich behalten.

    Kurz: Ich habe das Gefühl, dass man mit der ODbL zu einem grossen Stück die Idee der auf “virale Art” freien und offenen Daten aufgegeben und de facto als Public Domain veröffentlicht hat. Aber wie gesagt, das ist ein Gefühl, bei mir sind noch einige Zweifel und Fragen offen, vielleicht täusche ich mich da ja auch.

    • Frederik Ramm

      Die Frage, wo die Datenbank aufhört und das “produced work” anfängt, ist nicht immer ganz klar, besonders dann, wenn man ein Vektorgrafikformat betrachtet, aus dem u.U. die Daten ohne Verlust zurückgewonnen werden können. Aber im Grunde ist es schon so, wie Du schreibst: je weiter hinten in der Prozesskette die Verfeinerung stattfindet, desto unwahrscheinlicher, dass man sie rausrücken muss.

      Ja, auch kommerzielle Anbieter können nun z.B. so etwas machen wie “gedruckte Karten mit unseren Straßendaten und dazu den Fußwegen von OSM”; wenn im Rahmen der Verarbeitung keine abgeleitete Datenbank entsteht, muss man nur die OSM-Daten freigeben. Erzeugt man aus OSM eine abgeleitete Datenbank, indem man z.B. “nur die Strassen aus OSM, die bei uns nicht drin drin sind” auswählt, so muss man diese abgeleitete Datenbank veröffentlichen, aber immer noch nicht die eigenen Straßen, das hast Du richtig erkannt. – Es dürfte aber nicht ganz leicht sein, ein qualitativ hochwertiges Endprodukt herzustellen, ohne dabei eine aus OSM und den anderen Daten gemeinsam abgeleitete Datenbank zu produzieren.

      Das mit der gedruckten Karte mit proprietären Höhenlinien geht auf jeden Fall.

      Deine Beispiele sind alle aus dem “visuellen” Bereich. Bei der Kartenanzeige im Web kann man ja auch heute schon mit Layern arbeiten – ein Layer mit Navteq-Daten in ausgewählten Gebieten, obendrauf ein Layer mit OSM-Daten in ausgewählten Gebieten, es ergibt sich eine gemischte Karte und CC-BY-SA färbt nicht ab. Lediglich bei gedruckten Karten müsste man derzeit eine Variante mit bedruckter Klarsichtfolie nehmen, um das nachzubilden – hier macht die ODbL es einfacher, das Share-Alike auf die OSM-Daten zu beschränken. Aber in an allermeisten Online-Anwendungsfällen, und erst recht für Routing, Geocoding usw., wird man um eine ordentliche abgeleitete Datenbank nicht umhin kommen, und dadurch auch das Share-Alike der ODbL triggern.

  3. Shernott

    Hallo Frederik, Danke für Deine Antwort vom 12.06.2012 um 20:54.

    Wenn die oben genannten Spitzfindigkeiten möglich sind, dann denke ich wird es rein praktisch schwierig werden, den genauen Workflow der Nutzer von OSM Daten offenzulegen und damit zu belegen, dass sie das Share-Alike der ODbL tatsächlich getriggert haben. Und selbst wenn das der Fall ist, bleibt die Frage, wie nützlich der Inhalt deren Datenbanken für das OSM-Projekt ist. Oder gibt es laut der ODbL eine Pflicht, eine entsprechende Dokumentation oder API bereitzustellen, um mit der Datenbank arbeiten zu können? Mit welchem Aufwand wird es also möglich sein, deren zusätzliche Daten zu extrahieren und in OSM zu importieren? Der Übergang von applikationsoptimierten zu kryptischen Datenbankschemata bis hin zu tatsächlich verschlüsselten Daten wird vermutlich fließend sein. Und gibt es überhaupt neue Daten, oder wurden nur OSM-Daten verfeinert und für den jeweiligen Anwendungsfall optimiert?

    Mir war das CCBYSA-Modell wesentlich sympathischer. Der Grund, warum ich OSM als Mapper meine Zeit zur Verfügung stelle, ist der, dass ich meine und die Daten anderer Mapper hinterher wieder in freien Karten nutzen kann, bzw. konnte. Die freien Daten alleine, ohne eine entsprechende freie Aufbereitung zur Darstellung oder sonstigen Nutzung (Routing) für den PC oder das GPS sind für mich keine Motivation. Und ich halte es nicht für besonders motivierend, unbezahlt zu mappen, um dann Produkte, die auf den eigenen Daten aufbauen, zu kaufen, auch wenn Steve Coasts neuer Arbeitgeber das vermutlich anders sieht.

    Wenn die CCBYSA wie Du sagst nur kreative Arbeiten und keine Fakten schützt, dann ist sie in der Tat nicht ausreichend. Andererseits habe ich starke Zweifel, ob die ODbL die passende Antwort ist.

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